Zum wiederholten Male ein alter Bericht. Diesmal von meiner ersten Woofing-Farm in Donnybrook. Auf dieser weilte ich von Mitte Dezember bis Anfang Januar 2008 fuer 3 Wochen.  Mein Woofing-Abenteuer geht an diesem Wochenende (9.Maerz 2008) zu Ende und ich begebe mich fuer ein paar Tage nach Perth. Am 14.3. geht es dann fuer 14 Tage zum Tauchen mit Andreas nach Phuket/Thailand. Ungefaehr 1 Jahr nach dem wir gemeinsam in Bali waren. Aber voerst noch etwas aus der Vergangenheit.

Am 16. Dezember reiste ich mit der Bahn und Bus nach Donnybrook, ein als Apfelanbaugebiet bekanntes kleines Dorf ca. 200 km suedlich von Perth. An der Bushaltestelle holte mich Mark, der Farmer, mit einem alten Toyota Landcruiser ab (Baujahr ca. 1980). Mein erster Gedanke war, was erwartet mich da nur. Meinen Platz im Auto musste ich mit Arthur, seinem Hund, teilen. Dieser liebt Auto fahren und sitzt ungern in der Mitte sondern lieber auf dem Beifahrersitz, was ich spaeter mehrmals feststellen konnte. Die Farm befindet sich ca. 10 km ausserhalb von Donnybrook. Ein kleines Gartenhaeuschen war fuer die neachsten Wochen mein zu Hause. Ein Japaner, sein Name ist Satochi, weilte ebenfalls auf der Farm. Das Gartenhaus ist links und rechts von Palmen flankiert und dahinter steht ein Zitronenbaum, der damals voller Fruechte war.

Am ersten Tag war ausruhen angesagt. Wir schauten uns einige Videos an, weil beide vom Barbeque am Tag vorher nach „geschafft“ waren. Am Montag began die Arbeit frueh um 7 Uhr mit Knoblauch ernten bei Nieselregen. Das war gleich der richtige Einstand. Mit einer halben Stunde Pause arbeiten wir bis 12 Uhr ehe es dann ab 1 Uhr weiter bis etwa halb 3 nachmittags ging. Das waren die Arbeitszeiten fuer die neachsten Tage. Die Arbeiten varierten von Tag zu Tag, ausser das wir jeden Morgen fuer 1 Stunde Zucchinies und aller 3 Tage Silverbeet ernteten und verpackten. Wir pflueckten Pflaumen, Aprikosen, Avocados und Pfirsische. Oftmals landete einige Fruechte direkt vom Baum im Magen. Die anstrengenderen Arbeiten bestanden aus Unkraut jaeten (Weeding) per Hand oder mit einer Art Harke. Desweiteren maehte ich Rasen, tackerte Tomatenpflanzen an Schnuere, transportierte Aeste von A nach B, legte Bewaesserungsleitung in neue Beete, duennte (vereinzelte) Aepfel an den Baeumen aus und baute ein Gehege fuer junge Enten. Die Arbeit wurde nicht langweilig. Ein- bis zweimal in der Woche wurde auch der Landcruiser beladen und die Ernte zum Versand nach Donnybrook transportiert. Fuer uns bestand darin die Moeglichkeit unser Handy nach Nachrichten zu checken. Auf der Farm gab es keinen Empfang.

Leider gab es in naehren Umgebung wenig zu sehen und ohne Auto kommt man nicht weit, so dass in der Freizeit nicht viel los war. Auch war ich nach der Arbeit meist geschafft und es war oft sehr warm. Bis zum Abendessen gegen 18 Uhr lass ich daher Buecher oder Zeitungen oder lag im Bett. Abends schauten wir meist mit Mark, dem Farmer, fern ehe es relativ frueh ins Bett ging. Am naechsten Tag musste wir ja wieder gegen 6 Uhr aufstehen. Ab und an unternahmen wir auch Ausfluege in die Umgebung z.B. zum Einkaufen nach Bunbury, zu einer Geburtstagsfeier mit Grillen und interessanten Gastgebern, nach Harvey, um Mark’s Mutter fuer Weihnachten abzuholen oder zu den Nachbarn.

Mark war allein auf der Farm, weil seine Frau mit seiner Tochter Verwandete in Europa besuchte. Das Essen war sehr einfach aber ausreichend. Oft haben wir gegrillt und es gab Steak oder Wuerstchen mit gerilltem Gemuese aus eigenem Anbau. Einmal gab es u.a. Marron – Freshwater Crayfish, eine Art Suesswasser Hummer.

Weihnachten. Im Haus war nichts von Weihnachten zu sehen – kein Dekoration. Bei diese Temperaturen war mir selber auch nicht wie Weihnachten. Der 24.12. war ein ganz normaler Arbeitstag. Am 25.12., was fuer die Australier Weihnachten ist (Christmas Day), ernteten und verpackten wir Zuchinies und hatten ab 10 Uhr frei. Mark hatte seine Mutter fuer 2 Tage eingeladen und zum Mittagessen kamen noch einige Bekannten aus Donnybrook (u.a. auch ein Deutscher). Das Weihnachtsessen bestand aus gerillten Steaks, Reis und Gemuese sowie einem kleinen Dessert als Abschluss. Die Temperaturen waren auch viel zu heiss fuer eine gebratene Gans oder Ente. Mark kuehlte das Dach des Hauses mit Sprinklern, weil die Temperature um die 40 Grad betrug. Am 24.12. waren es ca. 35 Grad. am 25.12. ca. 40 Grad und am 26.12. sogar 42 Grad. Perth und Umgebung war von den Lufttemperatur betrachtet der heisseste Ort auf der Welt an diesem Tag . Und wir durften an diesem Tag arbeiten, zum Glueck nur bis zum Mittag.

Nach Weihnachten verliess dann Satochi, der Japaner, die Farm. Mit faellt noch spontan ein, das ich auch Traktor gefahren bin. Einen kleinen japanischen Kubota-Traktor. Satochi hatte mit diesem einmal ein kleines Handling-Problem, weil wir hinten zu schwer beladen waren und die Vorderraeder keinen Grip hatten. Silvester feierten wir bei Bekannten von Mark auf einer anderen Woofing-Farm. Es gab viel gegrilltes Essen, Salat und selbstgebackene Pizza. Leider waren nur aeltere Leute anwessend, so dass es fuer mich nicht sehr spannend war. Dafuer war es sehr multikulturell. Es waren Deutsche, eine Oesterreicherin, ein Englaender und ein Paar aus Kanada anwesend. Den ganzen Abend spielten 2 Leute Gitarre und sangen dazu. Gegen Mitternacht hiess es dann Happy New Year und es gab standardgemaess Sekt. Ein Feuerwerk gab es auch nicht. In Australien ist das abfeuern von Feuerwerk (Raketen) fuer Privatpersonen verboten. Nur oeffentliche Veranstaltungen bieten teilweise Feuerwerk. In Bunbury und in Perth war en die einzigen Feuerwerk in der Region. Das Verbot besteht wegen Sicherheitsrisiko – Verletzungen und Waldbrandgefahr – so weit mir bekannnt ist. Das war eben mal ein anderes Silvester. Den naechsten Tag hatte ich frei, weil Mark ein wenig zu viel gefeierte hatte. Silvester durfte ich ausserdem auch bis ca. 18 Uhr arbeiten, so dass der erste Tag im neuen Jahr als „Urlaub“ mehr als verdient war.

Am 7. Januar musste ich die Farm verlassen und suchte mir daher vorher einen neuen Host. Mark empfahl mir einige Farmen und ich wurde auch schnell fuendig. Es sollte nach Pemberton gehen, weitere 100km suedlich, auf eine Avocado-Farm. Ungluecklicherweise sagten mir die Eigentuemer 2 Tage vor meiner Weitereise, dass ich erst einige Tage spaeter kommen kann. Mein Busticket war bereits gebucht. Auf die schnelle musste ich daher eine „Uebergangsfarm“ finden. Um mein 2. Jahr Visa zu erhalten, muss ich ununterbrochen arbeiten. Ansonsten wuerde ich die 3 Monate oder 88 Tage Farmarbeit auf dem Land nicht erreichen, die dafuere noetig sind. So verschlug es mich fuer 4 Tage auf eine Farm in Pemberton, die nur auf der anderen Strassenseite meines naechsten, eigentlichen Zieles lag. Diese 4 Tage sollten aber einige Erlebnisse und Einblicke bieten. Mark gab mir noch einige Aprikosen und Pfirsiche mit auf den Weg.

Zusammenfassend war mein 1. Woof-ing Erlebnis (Woof – Willing Workers on Organic Farms – arbeiten gegen Kost und Logi) ganz ok. Die Unterkunft war gemuetlich, das Essen ausreichend und gesund und die Arbeit fair aber anstrengend. Ich lernte etwas ueber organische und biodynamische Landwirtschaft und wie der Alltag auf einer Farm aussieht.